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Hilfsmittelversorgung in Gefahr? Warum unser Gesundheitsnetz nicht reißen darf

Aktuelles

30.10.2026

#gesundheitsnetzreisst

Warum die geplante Wiedereinführung von Hilfsmittelausschreibungen Patientinnen und Patienten betreffen kann und weshalb wir uns für eine persönliche Versorgung starkmachen.

Ein Rollstuhl, eine Orthese oder eine Kompressionsversorgung ist keine Ware von der Stange. Gute Hilfsmittelversorgung braucht Fachwissen, persönliche Beratung und Menschen, die auch nach der Übergabe für ihre Kunden da sind.
Doch genau diese Versorgung könnte künftig stärker unter Druck geraten. Denn der Bundestag hat die Wiedereinführung von Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich beschlossen. Wir als Sanitätshaus Kessels unterstützen deshalb die Aktion #gesundheitsnetzreisst und setzen uns für eine individuelle, wohnortnahe und zuverlässige Hilfsmittelversorgung ein.

Mehr über die Aktion erfahren

Was ist passiert? Die Politik plant die Rückkehr zu Hilfsmittelausschreibungen

Bereits 2019 wurden Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich abgeschafft. Der Grund: In der Vergangenheit hatte sich gezeigt, dass ein starker Preiswettbewerb zulasten der Versorgungsqualität gehen kann. Nun droht eine Rückkehr zu diesem Modell.
Am 15. Oktober 2026 hat der Deutsche Bundestag im Rahmen der Reform der Notfallversorgung beschlossen, dass Krankenkassen Hilfsmittelversorgungen künftig wieder ausschreiben dürfen. Der Bundesrat befasst sich am 20. November 2026 mit dem Gesetz. Damit besteht noch die Möglichkeit, auf die geplanten Regelungen einzuwirken.
Doch was bedeutet das eigentlich? Und warum betrifft diese politische Entscheidung nicht nur Sanitätshäuser, sondern vor allem die Menschen, die täglich auf ihre Hilfsmittel angewiesen sind?

Was sind Hilfsmittelausschreibungen?

Krankenkassen müssen die Versorgung ihrer Versicherten mit medizinischen Hilfsmitteln organisieren. Dazu schließen sie Verträge mit Sanitätshäusern und anderen Leistungserbringern.
Bei einer Ausschreibung können Krankenkassen verschiedene Anbieter auffordern, Angebote für bestimmte Versorgungen abzugeben. Dabei spielen die angebotenen Preise eine wichtige Rolle. Wer den Zuschlag erhält, übernimmt anschließend die Versorgung der Versicherten im jeweiligen Bereich.
Das klingt zunächst nach einer Möglichkeit, Kosten zu sparen. Doch dabei gibt es ein Problem: Ein Hilfsmittel ist nicht einfach nur ein Produkt, das bestellt und ausgeliefert wird.

Hinter einer guten Versorgung stecken viele weitere Leistungen, die sich nicht allein über den Produktpreis vergleichen lassen:

  • Persönliche Beratung und Bedarfsermittlung
  • Fachgerechte Anpassung an den Menschen
  • Einweisung in die richtige Anwendung
  • Regelmäßige Kontrollen und Nachsorge
  • Reparaturen und schnelle Hilfe bei Problemen
  • Ein verlässlicher Ansprechpartner vor Ort

Warum ist die Rückkehr zu Ausschreibungen problematisch?

Wer auf ein Hilfsmittel angewiesen ist, braucht eine Versorgung, die zum eigenen Leben passt. Das gilt für Menschen mit körperlichen Einschränkungen genauso wie für ältere Menschen oder Personen mit chronischen Erkrankungen.
Wenn Krankenkassen ihre Versorgungsverträge stärker über Ausschreibungen vergeben, kann das die bestehenden Strukturen verändern.

Was könnte das konkret bedeuten?

Weniger persönliche Ansprechpartner
Wenn ein anderer Anbieter den Zuschlag erhält, kann es passieren, dass Versicherte ihren bisherigen Ansprechpartner wechseln müssen. Gerade bei einer langfristigen Versorgung kann das problematisch sein.

Mehr Aufwand für Betroffene
Ein Anbieterwechsel kann bedeuten, dass Menschen ihre Versorgung neu abstimmen müssen. Bereits bekannte Abläufe und Ansprechpartner fallen möglicherweise weg.

Weniger wohnortnahe Unterstützung
Regionale Sanitätshäuser sind für viele Menschen gut erreichbar. Sie helfen bei Anpassungen, Fragen und Reparaturen. Werden regionale Versorgungsstrukturen geschwächt, könnte auch diese Unterstützung schwieriger werden.

Die Qualität darf nicht hinter dem Preis zurückstehen
Ein günstiges Hilfsmittel allein ist noch keine gute Versorgung. Entscheidend ist, ob es zum Menschen passt, richtig eingestellt ist und im Alltag zuverlässig funktioniert.

Wichtig ist: Nicht jede Ausschreibung führt automatisch zu diesen Problemen. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen jedoch, welche Risiken ein starker Preiswettbewerb für die individuelle Versorgung mit sich bringen kann.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Wenn ein Hilfsmittel wirklich passen muss

Stellen wir uns eine ältere Dame vor, die nach einem Krankenhausaufenthalt einen Rollator benötigt. Sie ist unsicher auf den Beinen, hat wenig Kraft in den Händen und lebt in einer Wohnung mit schmalen Türen. Sie braucht deshalb nicht einfach irgendeinen Rollator.
Ein Mitarbeiter im Sanitätshaus nimmt sich Zeit, um ihren Bedarf zu ermitteln. Gemeinsam finden sie ein passendes Modell. Die Höhe wird eingestellt, die Bremsen werden erklärt und die Dame kann den Rollator vor Ort ausprobieren.
Einige Wochen später hat sie eine Frage zur Handhabung. Sie weiß, an wen sie sich wenden kann.

Genau das ist Hilfsmittelversorgung: nicht nur ein Produkt bereitstellen, sondern einen Menschen im Alltag unterstützen.

Bei einer Versorgung über Ausschreibungen besteht die Gefahr, dass solche gewachsenen Strukturen unter Druck geraten. Ein Produkt lässt sich vergleichen – die persönliche Betreuung dahinter ist deutlich schwieriger zu bewerten.

Warum wir bei #gesundheitsnetzreisst mitmachen

Mit der Aktion #gesundheitsnetzreisst macht der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) auf die möglichen Folgen der politischen Entscheidungen aufmerksam.
Die Kampagne steht für den Erhalt einer individuellen, wohnortnahen und zuverlässigen Hilfsmittelversorgung. Sie zeigt, warum Fachwissen, persönliche Betreuung und regionale Versorgungsstrukturen für Patientinnen und Patienten so wichtig sind. Auch wir vom Sanitätshaus Kessels unterstützen diese Aktion.

Auf unseren Social-Media-Kanälen veröffentlichen und teilen wir regelmäßig Beiträge zur Kampagne. Unter dem Hashtag #gesundheitsnetzreisst möchten wir möglichst viele Menschen erreichen und auf die Bedeutung einer guten Hilfsmittelversorgung aufmerksam machen. Denn es geht nicht nur um die Zukunft einzelner Betriebe. Es geht um die Versorgung von Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind – heute und in Zukunft.

Jetzt gemeinsam ein Zeichen setzen: Was können Sie tun?

Noch ist das Gesetzgebungsverfahren nicht abgeschlossen. Am 20. November 2026 befasst sich der Bundesrat mit der Reform.
Verbände und Patientenorganisationen appellieren deshalb an die Bundesländer, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Ziel ist es, die geplanten Regelungen zur Wiedereinführung von Hilfsmittelausschreibungen noch einmal zu beraten und aus dem Gesetz zu streichen.

Auch Sie können vor diesem Termin aktiv werden:
  • Schreiben Sie an die Landesregierung: Bitten Sie die politischen Verantwortlichen in Nordrhein-Westfalen, sich im Bundesrat gegen die Wiedereinführung von Hilfsmittelausschreibungen einzusetzen.
  • Nutzen Sie einen Musterbrief: Die BAG SELBSTHILFE und weitere Organisationen stellen Informationen und Unterstützung für diesen Aufruf bereit.
  • Teilen Sie die Kampagne: Verbreiten Sie Beiträge mit dem Hashtag #gesundheitsnetzreisst auf Facebook, Instagram oder anderen sozialen Netzwerken.

Jede Stimme hilft, das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Unsere Haltung: Gute Versorgung braucht Menschen, nicht nur Produkte

Als Sanitätshaus erleben wir jeden Tag, wie wichtig eine persönliche und bedarfsgerechte Hilfsmittelversorgung ist. Wir möchten uns auch in Zukunft Zeit für unsere Kunden nehmen, Hilfsmittel individuell anpassen und bei Fragen oder Problemen zuverlässig unterstützen können. Dafür braucht es qualifizierte Fachkräfte, funktionierende regionale Strukturen und faire Rahmenbedingungen.
Denn gute Hilfsmittelversorgung ist keine Massenware. Sie ist ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung und verdient die Aufmerksamkeit, die sie braucht.

Wir unterstützen deshalb #gesundheitsnetzreisst – für eine Versorgung, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Jetzt Musterbrief nutzen und die individuelle Hilfsmittelversorgung unterstützen
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